Zum Tag des Buches viel Gutes
Zum diesjährigen Tag des Buches sei darauf hingewiesen, dass auch hier der Konkurrenzkampf zwischen den Medien nur so tobt. Nach einer älteren Meldung aus dem Jahre 2004 zufolge schien das Internet bis vor einigen Jahren nicht die klassischen Medien zu verdrängen. Mittlerweile sieht das Ganze sicher etwas anders aus: Das Internet gewinnt bei jungen Europäern an Bedeutung, was aber nicht auf Kosten der klassischen Printmedien gehen soll. Obwohl nach einer neueren Studie viele Jugendliche nicht auf das Fernsehen verzichten wollen, hat sich das Fernsehverhalten bei einer stärkeren Internetnutzung offenbar verändert. Wer häufiger im Internet unterwegs ist, schaut anscheinend weniger fern. Einst verlor das Radio gegenüber dem Fernsehen an Einfluss. Heute erahnen wir, dass der einst so übermächtige Internet Explorer sicher bald vor dem Firefox kapitulieren muss, weil immer mehr auf die “fair” entwickelte, kostenlose (!) Browser-Variante umsatteln. Wer sich die Zahlen der KIM-Studie aus dem Jahr 2006 anschaut, erkennt, dass der Fernseher bei Kindern und Jugendlichen (von 6 bis 13 Jahren) noch immer den wichtigsten Stellenwert einnimmt. Auf die Frage, auf welches Medium der junge Mediennutzer am wenigsten verzichten könne, wurde der Fernseher besonders häufig genannt (vgl.http://www.mpfs.de/index.php?id=99)
Gleichwohl gilt zu beachten, dass die tatsächliche Freizeitgestaltung nicht in der Form aussieht, dass Kinder und Jugendliche nur vor dem Fernseher sitzen. Immerhin trifft man sich eher noch mit Freunden und spielt gerne draußen. Erst an dritter Stelle wird das Fernsehen genannt. In der JIM-Studie (ebenfalls aus dem Jahre 2006) erfahren wir, dass das Lesen noch immer einen hohen Rang in der Freizeitgestaltung unter Jugendlichen und Kindern einnimmt: 40 % lesen demnach mindestens einmal in der Woche, oder auch täglich, im Buch. Während Teenager noch relativ viel lesen, reduziert sich das Leseverhalten der bis zu 18 Jahre alten Jugendlichen auf ein Drittel, das regelmäßig liest. Wie zu erwarten war, prägt die Bildung auch das Leseverhalten: Je höher die Bildung, desto mehr wird im Schnitt gelesen. Zudem gibt es einen geschlechtlich bedingten Unterschied: Mädchen lesen etwas mehr als Jungen (vgl. JIM-Studie: 2006, S. 21: http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf06/JIM-Studie_2006.pdf).
Ältere Bürger gaben in einer Silverliner-Studie an, vermehrt Seccond-Hand-Bücher online zu erwerben. Somit wird deutlich, dass Bücher durch das Internet auch profitieren. Gerade vergriffene oder alte Bücher, die man nur noch schwerlich findet, werden dank des Internets schneller gefunden und gekauft. Der klassische Buchhandel verändert sich, nicht unbedingt das Leseverhalten.
Bücher sind also immer noch sehr beliebt und weit verbreitet. Doch gerade diese Vielfalt muss man auch pädagogisch nutzen, um nicht das eine gegen das andere auszuspielen. Ideologische Diskussionen führen nicht zu erziehungswissenschaftlichen Erkenntnissen. Daher vermeide ich emotional aufgeladene Diskussionen, als ob die heile Kinderwelt durch Internet und Co unterginge. Jede Kindergeneration definiert ihre Welt immer wieder neu, was nicht heißen soll, dass man maßlosen Fernsehkonsum und die Internetsucht fördern will. Vor langer Zeit versuchten besorgte Menschen, Kinder vor dem Lesen zu bewahren. Man befürchtete, dass die Kinder der Realität entglitten. Auch heute wird gerne hin und wieder mal die Internet-Nutzung als ein Abdriften in die Unwirklichkeit abgestempelt. Aber Vorurteile gibt es immer.
Ein Vorteil scheint mir jedoch zu sein, dass das Internet für bildungsnahe Schichten ein Gewinn ist. Menschen, die viel lesen und etwas gebildet sind, nutzen das Internet entsprechend gewinnbringend. Aus pädagogischer Sicht erscheint mir es wichtig, bildungsferne Klienten mehr Hilfestellung bei der Internetnutzung zu geben. Wer z. B. in der Lage ist, sich mit Hilfe einer gezielten Internet-Recherche einen Überblick über ein bestimmtes Thema zu verschaffen, kann auch gleich in Erfahrung bringen, welche Bücher er benötigt, um den Lernstoff zu vertiefen. Es gibt so gute und viele Möglichkeiten, das Internet zu nutzen, ohne das Buch zu verdrängen. Immerhin hat die Buch-Quelle einen höheren Glaubwürdigkeitsgrad als die Internet-Quelle. Zudem kann liegt manches Buch unterwegs besser in der Hand, als alles andere.
Also, auf zum Buchhandel oder zur Bibliothek,
Silvio Ströver
Weitere Link-Tipps zum Thema:
Abebooks.de:
“Wachstumsmotor Internet - Gebrauchte Bücher gewinnen im E-Commerce” http://www.abebooks.de/docs/MediaRoom/Presse/AbebooksDEStudie04_AntiqBuchmarkt.pdf
CCUC.de:
“Leseverhalten der Silver-Generation.” Ergebnis CC&C Online Panel, Mai 2007. Auszug. http://www.ccuc.de/fileadmin/redakteur/pdf/
Silver_Liner_Studien/Silver_Liner_Leseverhalten_
CC_C_Kurzversion_071004.pdf
Deutscher Bildungsserver:
“Kinder, Jugendliche, Familien und Medien”
http://www.bildungsserver.de/zeigen.html?seite=2978
Unseco: http://www.unesco.de/welttag-buch.html?&L=0
Familieundmedien.de:
“Literatur für Pädagogen”:
http://www.familieundmedien.de/service/paedagogen_literatur.html
Heise.de:
“Bei den jungen Europäern verdrängt das Internet
das Fernsehen und andere Medien.” http://www.heise.de/newsticker/Bei-den-jungen-Europaeern-verdraengt-das-Internet-
das-Fernsehen-und-andere-Medien–/meldung/101120/from/rss09
Kreetrappers Gedankenblasen:
“Ein Buch, ein gutes Buch, das ist das beste, was es gibt auf der Welt.”
http://thought.blutiges-gemetzel.de/2008/04/23/
ein-buch-ein-gutes-buch-das-ist-das-beste-was-es-gibt-auf-der-welt/
Medienhandbuch.de:
“Studie: Online-Nutzertypen haben sich durch Web 2.0 verändert” http://www.medienhandbuch.de/prchannel/details-11917.html
MPFS: “JIM 2003.”
http://www.mpfs.de/index.php?id=46&0=&type=1
MPFS: “JIM 2006.”
http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf06/JIM-Studie_2006.pdf
MPFS: “Liebste Freizeitbeschäftigung 2006.”
http://www.mpfs.de/index.php?id=97
Office-work.net:
Internet verdrängt andere Medien nicht. Informationsgesellschaft. (11.01.2004) http://www.office-work.net/owork/aktuell/news/232688.html
Prcenter.de:
“Das Internet verdrängt den klassischen Buchhandel bei den über 50-Jährigen.” http://www.prcenter.de/Das-Internet-verdraengt-den-klassischen-Buchha.6450.html
Unseco: http://www.unesco.de/welttag-buch.html?&L=0
Nachtrag vom 12.10.2008:
Heute wurde der obenstehende Paedblogeintrag aktualisiert (Links geprüft, Kategorien neu gebildet und ein Foto neu eingefügt). -
Inzwischen habe ich viele Blogeinträge im Paedblog-Archiv überarbeitet, da oftmals angegebene Links (siehe unten) nicht mehr aktuell waren und die neuere Wordpress-Weblogsoftware die Eingabe von Tags ermöglicht, mit deren Hilfe Blogbeiträge im Internet schneller wiedergefunden werden können. Zudem ist der ein oder andere Paedblogbeitrag aus früheren - nicht mehr existierenden - Weblogs bzw. von älteren Webseiten entnommen worden dank der nicht-wirklich-funktionierenden Wordpress-Import-Funktion. Schließlich habe ich einige neue Blogkategorien gebildet, um Blogbeiträge thematisch besser zuzuordnen, damit diese schnell vom Blogleser in der Kategorie-Rubrik bzw. im Blogarchiv gefunden werden können.
Viel Spaß beim Stöbern im Paedblog-Archiv!
Gruß,
Silvio Ströver, Dipl.-Pädagoge
Tags: 2006, 2008, Blogtechnisches, Buch, Erziehungswissenschaft, Fernsehen, Internet, Jugend, KIM, Medien, Nutzung, Pädagogik, Strövers Paedblog, Studie, Tag des Buches, Umfrage, Welttag

April 24th, 2008 at 15:34
Zum Firefox:
“fair” entwickelte, kostenlose (!) Browser-Variante umsatteln.
Der Internet Explorer ist auch kostenlos. Schon ewig. Das wichtigste Argument für den Firefox (abseits von dem Wunsch das erdrückende Monopol von Microsoft zu brechen) ist hingegen seine Transparenz. Da der Firefox Open Source ist, werden Fehler und Sicherheitslücken erheblich schneller gefunden und behoben. Und nebenbei legt Mozilla sehr viel mehr Wert auf Standardkompatibilität (auch wenn Opera und Safari/Konqueror da oft noch besser abschneiden), was die Redmonder ja bekanntermaßen meiden wie der Teufel das Weihwasser.
Ich kann mir aber auch gut vorstellen, daß das Spielkind im Surfer auch wegen der Myriaden von nützlichen und abstrusen Erweiterungen dem Firefox eher den Vorzug gibt. Ich entdecke damit immer wieder neue tolle Möglichkeiten.
April 24th, 2008 at 21:50
Für diejenigen, die ein bißchen mehr zum Thema Standardkonformität erfahren möchten, bietet diese Seite einen guten Einstieg. Zum Beispiel kann man hier gut sehen, wie schlecht der IE gängige Standards unterstützt.
April 24th, 2008 at 22:02
[...] Tag des Buches war ja schon gestern, aber ich habe noch ein buchiges Posting in [...]
April 29th, 2008 at 23:00
Richtig,die Software von Windoof ist natürlich kostenlos. Mir ging es in meinem ÜBereifer, was die Ausrufungszeichen anbetrifft,nur darum, aufzuzeigen, dass Alternativ-Browser ebenfalls kostenlos sind.
“Erst seit mit dem Firefox-Browser eine mindestens gleichwertige und überdies kostenlose Alternative zur Wahl steht, kehrt auch Microsoft zu den Standards zurück.”
Quelle:
http://magazine.web.de/de/themen/digitale-welt/internet/web-trends/5814796-15-15-Jahre-World-Wide-Web,page=1.html
In diesem Sinne war es gemeint…
Mai 1st, 2008 at 20:56
“Erst seit mit dem Firefox-Browser eine mindestens gleichwertige und überdies kostenlose Alternative zur Wahl steht, kehrt auch Microsoft zu den Standards zurück.”
Auch vor dem Firefox gab es schon gleichwertige und kostenlose Alternativen zu IE. Opera zum Beispiel, zwar mit eingeblendeter Werbung, aber die war nur marginal und störte kaum.
mit besserwisserischen Grüßen
kreetrapper